Diebstahl Bahn will 500 neue Mitarbeiter einstellen, nur um Kabeldiebe zu stoppen

Sicherheits-Initiative der Deutschen Bahn gegen Kabelklau. Quelle: imago images

Immer häufiger legen Kabeldiebe den Zugverkehr lahm, zuletzt stieg die Zahl der Ausfälle fast um die Hälfte. Jetzt rüstet die Bahn auf: 500 neue Sicherheitskräfte sollen die Diebe stoppen – und das ist erst der Anfang.

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Am Montag dieser Woche traf es Bahnreisende rund um Bochum, Ende März die Berliner S-Bahn, im Januar stand der Bahnverkehr zwischen Leipzig und Chemnitz still – immer häufiger legen Kabeldiebe den Verkehr auf Bahnstrecken still, weil sie die Steuerleitungen aus Buntmetall und Kupfer klauen, mit denen Signale und Weichen geschaltet werden. Die Folge: Teils nur stunden-, mitunter auch tagelang, rollt auf den betroffenen Strecken kein Zug mehr. 

Und es wird immer schlimmer: „2022 hatten wir 387 Fälle bundesweit“, sagt eine Sprecherin der Deutschen Bahn. „Das ist ein Zuwachs um 21 Prozent gegenüber 2021, statistisch mehr als ein Diebstahl pro Tag und der höchste Wert seit fünf Jahren.“ Die Schadenssumme durch die Diebstähle stieg im gleichen Zeitraum von 5,4 auf 6,6 Millionen Euro, heißt es bei der Bahn. 

Hohe Metallpreise, viele Diebstähle

Ein Grund dafür ist, dass die Rohstoffpreise zuletzt wieder kräftig gestiegen sind und sich die aus Kabelschächten gestohlenen Leitungen aus Kupfer und anderen Buntmetallen auf dem Schwarzmarkt förmlich versilbern lassen. „In den Jahren bis 2019 lag das Preisniveau deutlich niedriger und es gab kaum Diebstahlanreize“, heißt es bei der Bahn. Nun aber habe sich der Trend wieder gedreht. 

Kabelklau

Mit den entsprechenden Folgen für den Zugverkehr. Fielen 2021 nach Diebstählen 3408 Züge aus, waren es 2022 bereits 4876 betroffene Verbindungen. Der Zuwachs um 43 Prozent sei auch dadurch begründet, dass die Diebe nicht bloß häufiger, sondern auch an sensibleren Punkten mit großflächigeren Auswirkungen aufs Bahnnetz zugeschlagen hätten, berichten Experten. 

Um die Zahl der Diebstähle und die Schäden wieder in den Griff zu bekommen, rüstet die Bahn nun technisch und personell auf. „Wir stellen 500 zusätzliche Kräfte bei DB Sicherheit ein, die vor allem an Diebstahlschwerpunkten zum Einsatz kommen werden“, sagt Hans-Hilmar Rischke, Leiter Konzernsicherheit der Deutschen Bahn. Die Zahl der dort Beschäftigen wachse bis 2025 um rund zwölf Prozent. Dabei seien die Teams teils auch verdeckt im Einsatz.

Wärmebildkameras sollen Diebe aufspüren

Zugleich will die Bahn zusätzliche Überwachungsanlagen installieren, unter anderem an typischen Diebstahlschwerpunkten. So sollen unter anderem Wärmebildkameras und andere Videotechnik sensible Punkte im Blick behalten und Alarm schlagen, wenn sich Kriminelle an den Kabelschächten zu schaffen machen. 

von Luisa Bomke, Tobias Gürtler, Anja Holtschneider, Nele Antonia Höfler, Ben Mendelson, Vinzenz Neumaier, Isabelle Wermke

Um den Tätern auch nach erfolgreichen Diebstählen besser auf die Spur zu kommen und den Verbleib der gestohlenen Metalle auf dem Schwarzmarkt nachverfolgen zu können, soll nun sogar „Gentechnik“ zum Einsatz kommen. Gemeinsam mit der Bundespolizei und weiteren Sicherheitsbehörden will die Bahn unter anderem sogenannte künstliche DNA einsetzen. 

Dazu werden die diebstahlgefährdeten Leitungen für Externe nicht erkennbar mit speziellen Substanzen markiert. Diese Technik erlauben es den Ermittlern, Metalle nachträglich noch eindeutig zu identifizieren. Das könnte, so die Hoffnung, den Handel mit gestohlenen Kabeln für Kriminelle deutlich weniger attraktiv machen und so zu einem Rückgang der Diebstähle führen. 

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Dass mehr Personal, bessere Überwachungstechnik und chemische Fallen dem Kabelklau aber gänzlich ein Ende bereiten, darauf will auch bei der Bahn niemand hoffen. „Bei einem Streckennetz von rund 34.000 Kilometern mit rund 2.600 Stellwerken ist eine flächendeckende und lückenlose Überwachung trotz aller Maßnahmen nicht zu gewährleisten“, heißt es aus der Konzernzentrale in Berlin.

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